RADTOUR BERLIN-BÖHMEN (2001)
(Terje Melheim)
Diesen Bericht habe ich schon auf norwegisch geschrieben,
weil ich
Skandinaviern zeigen möchte, wie schön Deutschland als
Fahrradland
ist. Wahrscheinlich gibt es auch bei deutschsprechenden Lesern
Interesse,
wie ausländische Tourenradler die Bundesrepublik erleben. Deutsch
ist meine Muttersprache nicht. Wenn mein Stil etwas holprig und
undeutsch
wirken sollte, liegt es daran, dass Sie die Formulierungen eines
Ausländers
lesen. (Wenn Sie lieber die norwegische Fassung lesen, klicken Sie hier.)
Erstes Kapitel
in welchem berichtet wird, wie wir
die Fahrräder
mit dem Flugzeug und mit der S-Bahn transportieren, so dass wir unsere
Radtour in Königs Wusterhausen, im Südosten von Berlin
starten
können. |
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Im Sommer 2001 machten Turid und ich eine Radtour in
Deutschland
südost. Wir reisten mit dem Flugzeug von Bergen in Norwegen nach
Berlin.
Unsere Fahrräder hatten wir in Fahrradkartons verpackt. Der
Radtransport
ging sehr gut. Im Flughafen Bergen legten wir die Fahrradkartons auf
das
Förderband, und das nächste Mal, als wir sie wieder
erblickten,
war im Flughafen Tegel in Berlin. Wir mussten sehr früh vom
Flughafen
in Bergen abfliegen, und dieses Problem lösten wir ganz praktisch;
am Abend vor unserem Abflug bauten wir nahe dem Flugterminal
unser
Zelt auf.
Im Flughafen Tegel mussten die Fahrräder wieder
zusammengeschraubt
werden. In der Sommerhitze führte das zu viel Stress und
Schweiß.
Ich hatte schon damit gerechnet, dass, die leeren Fahrradkartons
auf den Pedalen angebracht werden konnten, während wir die
Fahrräder
zu unserem Quartier schoben, aber es stellte sich heraus, dass mit
vollbeladenen
Tourenrädern das nicht ging. Turid musste dann im Flughafen
warten,
während ich zu unserem Quartier radelte. Da legte ich das
Fahrradgepäck
ab, radelte zurück zum Flughafen. Mit wenig Gepäck,
ließen
sich die Kartons auf den Pedalen balancieren. Dieser Transfer dauerte
aber
lange. Bei der Rückfahrt würden wir den Transport
anders
organisieren
Am nächsten Tag wollten wir in dem schönen
Sommerwetter
Berlin radlerisch erkunden. Mit dem Vorwärtskommen von Radfahrern
gibt es keine Probleme. An allen Hauptstraßen gibt es Radwege.
Aus
alter Gewohnheit steuerte ich in Nebenstraßen ein, aber die waren
ohne Radwege, und der Autoverkehr wirkte bedrohlicher. Berlin ist nicht
nur Stadt. Westlich der bebauten Stadtgebiete liegt das Waldgebiet
Grunewald,
ein idyllisches Gebiet zum Radfahren. Im Grunewald führten uns die
Wege zur Glieneckerbrücke, wo im kalten Krieg die Spione
ausgetauscht
wurden. Westlich der Brücke liegt Potsdam und östlich der
Brücke
West-Berlin. Ein bisschen komisch, dass geographische und politische
Richtungen
nicht übereinstimmen. Der Westen lag im Osten und der Osten lag im
Westen. In Potsdam besuchten wir Schloss Sans Sousci und die
schönen
Gartenanlagen, die zu den preußischen Königsschlössern
gehören.
An den nachfolgenden Tagen verwendeten wir unsere
Fahrräder
nicht, denn wir hatten Angst um sie, und wir wollten sie während
unserer
Museumsbesuche nicht auf der Straße stehen lassen. Nach 5 Tagen
Berlin
sollte unsere Radtour beginnen. Übrigens war es gerade der
richtige
Tag. Am Tag vorher hatte es den ganzen Tag entsetzlich geregnet. Von
Berlin
reisten wir mit der S-Bahn nach Königs Wusterhausen, dem Endpunkt
der S-Bahn im Südosten der Stadt. Wir Norweger waren sehr
beeindruckt,
wie einfach die Fahrräder im Zug mitgenommen werden konnten. Wir
mussten
aber für jedes Rad eine zusätzliche Fahrkarte lösen. Das
ist ein bisschen teuer.
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Unsere Radroute von Berlin, entlang den
Flüssen
Spree, Neiße, Kirnitzsch, Elbe, Lössnitz, Flöha,
Zschopau,
Mulde, Elbe, Havel und zurück nach Berlin.

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Zweites Kapitel
wo Sie lesen können, wie wir auf deutschen
Radwegen entlangrollen.
Auf und an den Kanälen haben wir gewisse Erlebnisse. Im Spreewald
begegnet uns eine eingeborene Sprache, die nicht Deutsch ist. |
| Von
ehemaligen Radtouren
auf dem Gebiet der alten DDR hatten wir große Angst vor
Straßen
mit grobem Kopfstein. Das erste Stück Straße vor dem Bahnhof
in Königs Wusterhausen war mit Kopfstein schlechtester Sorte
belegt.
Bald erlebten wir, dass die zehn Jahre nach der Wende zu einer
verbesserten
Straßenstruktur geführt hatten, auch für Radfahrer.
Kurz
nachher erreichten wir einen Radweg mit gutem Beleg. Auf der Radtour
verwendeten
wir ADFC-Radtourenkarten im
Maßstab
1:150 000. Mit Hilfe dieser Karten kamen wir auf einen Weg, der als
Radroute
beschildert war. Da gab es wenig Autoverkehr und der Beleg war sehr
radfreundlich.
Es war eine Erleichterung, wenn unterwegs kleine Schilder für
Radfahrer
aufgestellt waren, denn dadurch wussten wir, dass wir uns auf dem
richtigen
Weg befanden. Den Spreeradweg, dem wir für ein paar Tage folgen
sollten,
erreichten wir nach 40-50 km. Genau da an der Brücke über den
Fluss Spree im Ort Schlepzig erblickten wir den ersten Spreewaldkahn,
ein
langes und schmales Boot mit flachem Boden. Früher wurden die
Kähne
zur Verfrachtung von Waren benutzt, aber jetzt werden sie als
Verkehrsmittel
für die Touristen angewendet. Örtliche Kahnbesitzer bugsieren
die Kähne, während sie den Touristen unterhaltende
Geschichten
erzählen. Der Spreewald ist ein Sumpfgebiet, und die
Abwässerungskanäle
machten die Verkehrswege aus. Heutzutage sorgen die Kanäle und die
Kähne für Einkommen von den Touristen.
Bevor wir in den Spreewald kamen, wollten wir an
einem anderen Kanal
essen.
Vielleicht kamen während der Mahlzeit Boote vorbei. Auf dem
Spirituskocher
wurde das Teewasser heiß, dann rief plötzlich Turid: "Nimm
die
Plastiktüte, die wird auf den Kanal geweht!" Ich streckte mich
schnell
nach der abtreibenden Tüte, aber weil die Kanalkante uneben war,
verlor
ich das Gleichgewicht und landete in dem braunen Kanalwasser. Ich war
total
nass. Mein Cap trieb ab, und meine Brille lag auf dem Kanalboden. Die
Plastiktüte
hielt ich in der Hand. Ich schwamm nach dem Käppi hinaus, aber um
meine Brille zu erreichen, musste ich mich so tief bücken, dass
mir
das Wasser über den Kopf ging. In dem schmutzigen Wasser konnte
ich
nicht sehen, was auf dem Kanalboden lag. Würde ich meine Brille
wiederfinden?
Beim ersten Bücken hielt ich einen Stock in der Hand, das zweite
Mal
hatte ich ein Schneckenhäuschen. Dann versuchte ich zum dritten
Mal,
und jetzt hielt ich in der Hand; die Brille. In der Sonne wurden Geld,
Pass und Kleider getrocknet. Auf der weiteren Radfahrt trockneten die
Kleider
vollständig.
Wir übernachteten auf dem Campingplatz in
Lübben. Am Abend,
als ich in noch einem Kanal badete, denn Kanäle gibt es im
Spreewald
überall, hörte ich, ein Stückchen entfernt, einige
badende
Jugendliche. Sie riefen sich nicht Deutsch zu, sondern die Zurufe waren
in einer slawischen Sprache. Im Spreewald hat sich die
ursprüngliche,
slawische Sprache erhalten. In Lübben standen alle
Straßenschilder
auf Deutsch, mussten wir feststellen. In der nächsten Stadt,
in Lubbenau waren alle Straßenschilder in sowohl Deutsch als auch
Sorbisch.
An Entwässerungskanälen, auf idyllischen
Radwegen
ging unsere Fahrt weiter, aber es gab dort so viele Radwege, dass wir
die
Richtung verloren. Unsere Radkarte war nicht ausreichend. Anstatt
Spreeradweg,
dem wir folgen wollten, zeigten die Schilder Orte an, die uns ganz
unbekannt
waren. Wir radelten ohne Orientierung weiter, bis wir Leute trafen, die
wir nach dem Weg fragen konnten. Sie waren sehr freundlich und
erklärten
uns gern den Weg. Weil wir uns während der Radtour immer zu
kleinen
Nebenstraßen hielten, hatten wir oft Zweifel, ob wir richtig
fuhren.
Alle Leute, bei denen wir uns erkundigen mussten, waren sehr nett, und
sie gaben sich viel Zeit und Mühe, uns den Weg genau zu
erklären.
Auf einem friedlichen Radweg an der Spree erreichten wir die
Stadt
Cottbus, wo alle Straßenschilder bilingual sind. Auf dem Lande
vor
der Stadt sind auch die Richtungsschilder zweisprachig. Ein Ort
heißt
ganz unverständlich Byhlegyhre, aber im Sorbischen ist es Bela
Gora,
also Der weiße Berg. Bela Woda, mussten wir feststellen, war
völlig
eingedeutscht und heißt Weißwasser.
Auf unserer Radfahrt wohnten wir im Zelt.
Überall fanden wir
Gaststätten, wo wir zu Mittag essen konnten. Beim Eröffnen
einer
neuen Gaststätte werden auch Arbeitsplätze errichtet. In der
ehemaligen DDR ist die Arbeitslosigkeit groß, und es ist gut,
wenn
jemand seinen eigenen Arbeitsplatz aufbaut. Die Preise in den
südöstlichen
Gaststätten sind niedriger als in zentralen Teilen der
Bundesrepublik.
Als wir uns Berlin wieder näherten, kosteten zwei große
Radler
11 DM. In Deutsch-Südost bezahlten wir normalerweise 7 DM.
An den meisten Tagen radelten wir auf flachen Wegen
und Straßen,
weil wir oft Flussläufen folgten. Unsere täglichen Etappen
lagen
zwischen 80 und 30 km.
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Kanalkahn im Spreewald |
Turid auf einem Radweg im Spreewald |
Zweisprachige Straßenschilder in Cottbus.
Interessant ist das sorbische Wort für Marktplatz; wiki. Dieses
Wort für Handelsplatz taucht als letzter Teil in vielen
europäischen
Stadtnamen auf, wie z. B. Coswig, Braunschweig, Winterswijk, Ipswich,
Norwich
usw. |
Drittes Kapitel,
wo über die weitere Radtour gegen Süden
berichtet wird.
Wir wechseln vom Spreeradweg zum Neißeradweg über. Wir
erleben
die schöne Stadt Görlitz, und wir treffen Leute, mit denen
wir
uns viel unterhalten. Eines Nachts übernachten wir in einem
Kloster. |
| Auf dem
Spreeradweg hatten
wir Angst davor, an großen, offenen Wunden in der Landschaft
vorbeizukommen.
Diese landschaftlichen Wunden sind Braunkohlengruben. Deshalb
verließen
wir den Spreeradweg und radelten weiter Richtung Osten, bis wir zum
Neißeradweg
kamen. Dem folgten wir weiter gegen Süden. Die Neiße bildet
die Grenze zu Polen, aber in Polen waren wir nicht, obwohl wir nur ein
paar Meter vom polnischen Territorium entlangradelten. Von Bad
Muskau
und südwärts ist der Neißeradweg von guter
Qualität.
Nach fünf Kilometern, im Dorf Pechern, war der Radweg ein
schlichter
Sandweg geworden. Da konnten wir nicht so viel von der Landschaft
sehen,
denn das Manövrieren der Fahrräder nahm unsere volle
Aufmerksamkeit
in Anspruch. Ich radele immer als erster. Manchmal muss ich dann auf
Turid
warten. Das tat ich auch diesmal, aber sie kam nicht. Ich radelte ein
Stück
zurück. Da kam sie gegangen, schiebend und verzweifelt. Sie sagte,
sie sei gestürzt, und dabei sei die Kette vom Ritzelblatt
gesprungen.
Dann habe sie entdeckt, dass die eine Radtasche verschwunden sei. Ich
fuhr
zurück, und die Tasche lag mitten auf dem Radweg, und danach
erklärte
ich ihr, wie leicht es ist, die Kette auf das Ritzelblatt zu legen.
aber
sie müsse dabei mit dreckigen Fingern rechnen. Im Ort Podrosche
gaben
wir auf, verzichteten auf den Neißeradweg und fuhren auf der
Bundesstraße
weiter.
Auf der Bundesstraße blieben wir bis
Rothenburg, d.h. nicht
Rothenburg ob der Tauber, sondern Rothenburg ob der Neiße. Bei
der
Einfahrt in die Stadt passierten wir einen Eisenbahnwaggon auf ein paar
Meter Gleis. Der Wagen war in ein unmobiles Restaurant umfunktioniert
worden.
In der ersten Gaststätte wollten wir, wie an jedem Tag um Mittag
einen
Radler trinken, das perfekte Getränk für Radler. Die Wirtin
wollte
sich gern mit uns Radfahrern unterhalten. Sie wurde erstaunt. als sie
hörte,
dass wir aus dem fernen Norwegen kamen. Da sei sie nie gewesen, aber
durch
viele Diasvorträge kenne sie das Land gut, denn in Rothenburg gibt
es eine Polizeihochschule, und viele Studenten davon reisen oft nach
Norwegen,
aber das Gerücht fliegt herum, dass in unserem Land alles so teuer
sei. Die Polizeistudenten nähmen einfach diverse Flaschen Schnaps
mit, die in Norwegen verkauft werden. Für das erworbene Geld
könnten
sie eine Woche in dem Land wohnen. Ich sagte, das sei eine reine
Übertreibung,
vorausgesetzt die braven deutschen Polizisten (vor ihren Dienstjahren)
verkaufen den illegalen Schnaps nicht kistenweise. Die Wirtin sagte,
sie
sei ursprünglich vom Beruf Lehrerin, aber heutzutage sei die
Disziplin
so schlecht in der Schule. In Hessen sei alles besser, sagte sie. In
Hessen
ist wohl auch kein Schulsystem zusammengebrochen so wie in den Schulen
der neuen Bundesländer. Glücklicherweise konnte sie den
unpopulären
Lehrerberuf verlassen. Jetzt besitzt sie zusammen mit ihrem Mann drei
Restaurants
in Rothenburg. Der Restaurantwagen, an dem wir eben vorbeigefahren
waren,
gehört ihnen auch.
Auf dem Neißeradweg erreichten wir
Görlitz, wo sich mehrere
schöne Kirchen befinden. Auch gibt es da große Plätze,
an denen buntgefärbte Häuser stehen. In den Städten der
ehemaligen DDR werden Gebäude in der Stadtmitte renoviert,
Ruß
wird abgewaschen und die Fassaden werden in klaren Farben gestrichen.
Die
Gebäude lassen sich so zeigen. Das Problem nr. 1 in den neuen
Bundesländern
ist die hohe Arbeitslosigkeit. Durch die Renovierung alter
Gebäude,
um so Touristen heranzulocken, werden neue Arbeitsplätze
geschaffen.
Ich habe auch Kritik gegen die modernen Farben an den alten
Häuserfassaden
gehört, denn es gibt diejenigen, die behaupten, dass die
Häuser
nie so scharfe Farben trugen wie in unserer glorifizierten
Touristenzeit.
Das Anlegen von Radwegen und so gute
Verhältnisse für den
Fahrradtourismus zu schaffen, gehören auch ins Bild des Tourismus.
Gerade südlich von Görlitz fanden wir den gut preparierten
Neißeradweg
wieder. Am Weg fanden wir auch Sitzbänke und Tische und sogar auch
eine Schutzhütte, wo wir Unterschlupf finden könnten, falls
es
regnen würde, denn an einem Radweg, der sich abseits der
Hauptstraße
befindet, gibt es keine Buswartehäuschen. Am Himmel tauchten
dunkle
Wolken auf, und als wir unsere Mittagsmahlzeit einnehmen wollten,
setzten
wir uns in so eine Schutzhütte. Nach dem Essen war der Himmel
wieder
blau.
Vom Radweg konnten wir es nicht sehen, aber westlich
von uns war
die Landschaft durch einen großen Abbruchgrube von Braunkohlen
kaputt
gemacht. Ein großes Wärmekraftwerk schien nicht mehr im
Betrieb
zu sein. Wenn hier die Gewinnung von Braunkohlen eingestellt ist,
wunderten
wir uns, wovon die Einwohner von Hagenwerder heute leben. Die
Häuser
und die Straßen sind durch die Grubenarbeiter geprägt. Es
gibt
Straßen in vollem DDR-Spektrum: Karl-Marx-Straße.
Leninstraße,
Karl-Liebknecht-Straße und Thomas-Müntzer-Straße.
Deutschen
Lesern bedarf es keiner Erklärung, wer Thomas Müntzer war.
Wir folgten immer noch dem Neißeradweg.
Plötzlich standen
wir vor einer eindrucksvollen Klosteranlage im prangenden Barock. Die
Mauern
waren in starken dunkelbraunen Farben gestrichen. Die rote Farbe ist
ein
Kennzeichen des Zistenzienzerordens. Das Kloster Marienthal wurde im
13.
Jahrhundert gegründet. Der deutsche Kaiser interessierte sich
stark
für Klöstergründungen in Ostdeutschland, denn so konnten
die slawischen Völker nicht nur für das Christentum sondern
auch
für den deutschen Kaiser und für deutsche Sprache und Kultur
gewonnen werden. Nach dem zweiten Weltkrieg verlor das Kloster fast
alle
seine Landbesitze, denn die lagen jenseits des Flusses, also
gegenwärtig
in Polen. Heutzutage betreibt das Kloster ein internationales Center,
wo
die Zusammenarbeit zwischen den Nationen um das Kloster gefördert
wird, zwischen Deutschland, Polen und nicht so weit weg; Tschechien.
Das
Kloster bietet vorbeiziehenden Wanderern Übernachtung an. Auch uns
hat das Kloster für eine Nacht beherbergt.
Der Neißeradweg südlich des Klosters
Marienthal ist sehr
idyllisch, er führt unter großen Bäumen gerade neben
der
Neiße entlang. Da fanden wir eine Sitzbank, wo wir
frühstücken
wollten. Plötzlich tauchten zwei Radfahrer auf dem weg Richtung
Norden
auf. "Sind Sie die Melheims?" hörten wir. Das Radlerpaar war
Martin
Wittram mit Frau Heidi. Martin Wittram hat ein Buch über seine
Radtouren
geschrieben, aber noch bekannter ist er für seine vielen
Radberichte
im Internet. Ganz unerwartet war unsere Begegnung nicht, denn wir
wussten,
dass er auf dem Neißeradweg nordwärts fahren sollte, also
uns
entgegen, und wir müssten uns treffen. Man kann sagen, dass wir
alte
Bekannte waren, und ich habe alle seine Radberichte im Internet
gelesen.
In seinem Radbericht über den Neißeradweg schildert er
unsere
Begegnung so:
| Hinter
einer Kurve stoßen
wir unvermittelt auf eine Bank, wo im Halbschatten ein Radlerpaar es
sich
gemütlich gemacht und allerlei Utensilien zum Freiluftdinieren um
sich gebreitet hat. "Ihr seid die Melheims" sagen wir. "Ja, ja, und ihr
die Martin Wittrams" sagen die. Herzliche Begrüßung. "Hier
gibt
es nun gerade kein Bier" sagt Terje. Das ist am frühen Morgen
eigentlich
auch weniger schlimm. "Aber der Platz ist strategisch so günstig"
sagt Turid. Nun wird erst mal fotografiert. Dann ein Blick auf die
Karten,
wo kommt ihr her und wie fahrt ihr weiter? So sind wir sofort in das
angeregteste
Gespräch vertieft, als ob wir uns schon lange kennen würden,
was ja eigentlich auch stimmt.
Dies ist ein Auszug aus dem
Bericht Oder-Neiße-Radweg.
Die Adresse von Martin Wittrams
Fahrradseite
ist http://www-public.tu-bs.de:8080/~wittram/reisen/index.html
|
|
Turid vor dem Rathaus in Görlitz. |
Kloster Marienthal. Nachdem wir mehrere Nächte im Zelt
übernachtet
haben, klopft Turid an die Pforte des Klosters. |
Begegnung zwischen Radtouristen, Von links: Heidi Wittram, meine
Mitradlerin
Turid und Martin Wittram.. |
Viertes
Kapitel
worin Sie über eine alte
Eisenbahn
bei Zittau lesen können. Das Bemerkenswerte ist, dass diese Bahn
immer
noch in vollem Betrieb ist. Wir finden es schwierig, in die
Tschechische
Republik einzureisen, aber schließlich stellt sich heraus, dass
wir
sogar keine Pässe brauchen. Nach 30 Kilometern geht die Radtour
wieder
nach Deutschland, wo wir bei Bad Schandau die Elbe erreichen. Der
Grund,
warum die Farben dieses Kapitels geändert sind, ist dass ich mich
den Farben der tschechischen Fahne angepasst habe. |
 |
| Wir verabschiedeten uns von
dem Ehepaar Wittram,
die weiter nordwärts radelten. Für uns ging die Fahrt gegen
Süden.
Wir wollten über Internet im Kontakt mit einander stehen. Die
Wittrams
hatten gesagt, dass wir in Zittau die Johanneskirche besichtigen
müssten.
Die Kirche, und vor allem die Decke, sollte ein Meisterwerk des
Architekten
Schinkel sein. In Zittau stellte sich heraus, dass, obwohl es Sonntag
Morgen
war, die Kirche geschlossen war. Der Turm war offen und lud zu einer
Turmbesteigung
ein, und von dort konnten wir auf die Dächer von Zittau
hinunterblicken,
und über die Grenze zu Tschechien, und im Osten sahen wir die
Braunkohlenlandschaft
in Polen.
Von Zittau ging die Fahrt nicht
mehr horizontal
weiter. Wir mussten hart in die Pedale treten, und die Fahrt ging in
die
Berge. Ich wollte unbedingt im Bahnhof Bertsdorf eine Pause einlegen,
denn
da konnte man etwas erleben, was nicht mehr gewöhnlich ist:
Dampflokomotive
auf schmalen Schienen, nur 75 cm zwischen den Schienen. Einen solchen
Zug
wollte ich fotografieren. Turid setzte sich auf eine Bank und holte ein
Buch hervor (einen von drei großen Romanen, den sie in ihrem
Gepäck
mitführte.) Nachdem der Zug angekommen und abgefahren war, sagte
Turid:
"Dies ist ja eine Eisenbahn in regulärem Verkehr und keine
Museumsbahn."
Darin hatte sie recht. Wir haben dem DDR-Regime zu verdanken, dass in
Ostdeutschland
ganz viele Schmalspurbahnen die 60er Jahre überleben konnten. In
den
70er Jahren wurden sie für technische Merkmale erklärt. Die
Gefahr
für Einstellung der Zittauer Schmalspurbahnen wurde dennoch in den
80er Jahren akut. Die DDR, die über wenige Energiequellen
verfügte,
wollte südlich von Zittau große Mengen Braunkohlen abbauen,
und das würde die Landschaft, die die Schmalspurbahnen
durchlaufen,
in Mitleidschaft ziehen. Braunkohlen, das Betriebsmittel der Bahnen,
schienen
auch das Aus für die Bahnen zu bedeuten. Nach der Wende
verbesserte
sich die Energiesituation der DDR. (bzw. der neuen
Bundesländer)
Die Zittauer Schmalspurbahnen existieren heute noch als eine
nostalgische
Erinnerung aus dem Ende des 19. Jahrhunderts.
In unseren Geldbeuteln hatten
wir nicht mehr
so viel Geld, also mussten wir in eine größere Stadt, wo wir
einen Geldautomaten finden könnten. Geld bekamen wir in
Großschönau,
und dann radelten wir Richtung Varnsdorf, auf die Grenze zu Tschechien
zu. Der Verkehr auf dieser Straße, die den Namen
Hauptstraße
trug, war so gering, dass wir schon ahnten, dass hier nicht alles
stimmte.
Die Grenze war mit einem großen Tor geschlossen. Dann mussten wir
zurückfahren, nach dem Süden, in dieselbe Richtung, woher wir
gekommen waren. In Herrenwalde fanden wir einen Grenzübergang nur
für Radfahrer und Fußgänger. Da konnten wir einfach
durchfahren,
keiner wollte unsere Pässe sehen. An der tschechischen Seite der
Grenze
entdeckten wir eine beschilderte Radroute, die wir nordwärts
verfolgten,
und schließlich befanden wir uns nur etliche Kilometer von der
Bank,
wo wir in Deutschland Geld abgehoben hatten.
Eine Hauptstraße mit
starker Steigung
führte uns nach Krasna Lipa. Auf meiner Radkarte steht da ein
Campingplatz
eingezeichnet. Den gab es nicht, und wir mussten ein Hotel suchen. In
einem
Hotel in der Stadt waren keine Zimmer frei, aber es sollte sich ein
Hotel
oder eine Pension "halb Kilometer weiter" befinden. Die Wortkarge
Auskunft
führte dazu, dass wir aus Krasna Lipa die falsche Straße
nahmen.
Turid, die nach den vielen Kilometern sehr müde geworden war,
begann
verzweifelt zu werden. Von einem Passanten erfuhren wir, dass es zwei
Kilometer
weiter ein Hotel gibt. Eigentlich war es sehr vorteilhaft, dass wir in
jener Nacht auf keinem Campingplatz wohnten, denn in der Nacht gab es
ein
entsetzliches Gewitter mit Blitzen und viel Regen.
Am nächsten Morgen regnete
es immer noch,
als wir zurück nach Krasna Lipa radelten. Ich machte ein Foto von
dem Marktplatz und einer Kirche, die hinter den Häusern, die den
Marktplatz
umgeben, emporragen. Wir befanden uns so weit südlich in Europa,
dass
die Kirche in reinem Barockstil ist. Dies ist Böhmen. In anderen
Sprachen
heißt es Bohemia oder Bohëme, aber der tschechische Name ist
ganz anders. Da heißt es Cechy. (Über dem C soll ein Zeichen
stehen, aber in diesem Programm kriege ich dieses Zeichen nicht heraus)
Böhmen ist nach einem keltischen Volksstamm genannt worden. Die
Tschechen
haben das Gebiet nach sich selbst genannt. Von Krasna Lipa radelten wir
weiter westwärts. Wir wollten einen für Kraftfahrzeuge
gesperrten
Weg an die Grenze zu Deutschland nehmen. Ich hatte da mit einer
Steigung
gerechnet. Aber so war es nicht. In dem Sandstein hatte ein Fluss ein
enges
Tal ausgegraben. Durch dieses Tal führte ein asphaltierter weg
ganz
ohne Autoverkehr. Über die Grenze zu Deutschland radelten wir
durch
einen Grenzübergang nur für Radfahrer und
Fußgänger.
Auch hier wollte keiner unsere Pässe sehen, die wir uns dieses
Jahr
extra nur für die Fahrt durch Tschechien besorgt hatten. (Für
das Schengen-Land Deutschland brauchen wir keine Reisepässe mehr.)
An der deutschen Seite der
Grenze hatten wir
eine steile Steigung zu dem Dorf Hinterhermsdorf. An der Straße
entdeckten
wir ein Umgebindehaus. Ursprünglich hatte ein solches Haus in
einem
Teil des Grundgeschoss keine Wände. Das war da wo der Webstuhl
gestanden
hatte. Die fehlenden Wände führten dazu, dass die Luft um den
Webstuhl herum nicht so trocken wurde, und so ließ es sich besser
weben. Der Wind würde auch die Faser wegblasen, und so wurde es
weniger
gesundheitsschädlich. Später sind Wände eingebaut
worden, aber die großen Balken zeigen, wo einst der Webstuhl
gestanden
hat.
Von Hinerhermsdorf radelten wir
ohne viel Pedalarbeit
in das Kirnitzschtal hinunter, wo steile Sandsteinsformationen die
Talseiten
ausmachen. Auf den letzten 8 Kilometern bis Bad Schandau begleiteten
uns
die dunkelgelben Straßenbahnwagen der Kirnitzschtalbahn..
Schließlich standen wir an der Elbe und sahen uns die Raddampfer
an, die sich stromaufwärts kämpften.
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Dampfzug im Bahnhof Bertsdorf der Zittauer Schmalspurbahnen |
Der Marktplatz in Krasna Lipa mit der
barocken Kirche im Hintergrund. |
Umgebindehaus in Hinterhermsdorf. |
Kirnitzschtalbahn |
Fünftes
Kapitel,
in dem von einem Regentag
berichtet wird,
der nicht so schlimm wird, wie wir es uns vorgestellt haben. Wir kommen
ins Erzgebirge, wo uns harte Steigungen zu schaffen machen. Unterhalb
eines
eindrucksvollen Eisenbahnviaduktes treffen wir uns mit Gerald. Wir
befinden
uns im richtigen Sachsen, und das Sachsenwappen sehen Sie rechts. Die
Farben
des Radberichtes passen sich der Heraldik an. |
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Im
sechsten Kapitel
führt uns Gerald auf
Radtouren
rund um Chemnitz.. Es stellt sich heraus, dass ein Berg kein echter
Berg
ist. In 30° Wärme radeln Turid und ich Richtung Berlin. Wir
kommen
zu der Stadt Schildau, wo die Schildbürger wohnen. Es wird gesagt,
dass sie in Säcken das Licht ins Rathaus tragen mussten, weil sie
vergessen hatten, Fenster einzubauen. Wir erreichen die Elbe, wo der
Elberadweg
wiedergefunden wird. |
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Siebentes Kapitel
hat Farben, aus denen hervorgeht, dass wir uns nicht
mehr in
Sachsen befinden. Wir radeln über die Elbe und kommen in
Wittenberg
an, das als die Luther-Stadt bekannt ist. Durch endlose Alleen radeln
wir
Richtung Potsdam, wo wir etwas finden, was sehr norwegisch wirkt. Von
Potsdam
haben wir nur 30 km zum Flughafen , und dabei ist die Radtour
vorüber,
aber viele schöne Erinnerungen bleiben erhalten. |
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