Saßnitz-Schwerin - Radtour mit Rückblicken
(Terje Melheim) 

 

Teil 1. Rügenrad.

Diese Radtour wurde im Sommer 1996 durchgeführt. Ich schreibe den Bericht erst 1998, wo wir zu Hause einen sehr regnerischen Sommer erleben. Anstatt eine Radtour zu machen, habe ich mich an den Computer gesetzt und überlege, was wir im Sommer 1996 im deutschen Bundesland Mecklenburg-Vorpommern radlerisch erlebt haben. Das Wetter fanden wir 1996 in Norddeutschland viel besser als heuer in Südnorwegen. Wir erlebten auf unserer Radtour schöne Tage im Norden Deutschlands, und der angekündigte Regen hatte die Neigung, sich schnell über das norddeutsche Flachland hinwegzuziehen. Wenn auch die Sonne nicht so stark schien, hatten wir wenig Regen, kurz und gut ein ideales Wetter zum Radfahren. 

Wir das sind Kjartan (13), Turid (ohne Altersangabe) und Terje der Schreiber dieses Berichtes. Weil die Radreise in Deutschland stattfand, wird unsere Tour eher deutschsprechende Netzradler ansprechen, und ich habe daher den Bericht auf deutsch geschrieben. 

Die Anreise erfolgte mittels Flugzeug Bergen(Norwegen) - Kopenhagen. Die Flugreise wurde teurer als ich berechnet hatte, denn die Fluggesellschaft SAS hatte in diesem Jahr eine zusätzliche Gebühr für mitgeführte Fahrräder eingeführt. 50 DM pro Fahrrad wurde verlangt, und für drei Fahrräder hin und zurück wurde der Flugpreis 300 DM teurer. Von Kastrup, dem Kopenhagener Lufthafen radelten wir zum Fähranleger Dragør, von wo wir die Fähre nach Limhamn in Schweden nahmen. Durch Skåne (Schonen) folgten wir der markierten Radroute nach Trelleborg. Von der Fahrt durch den südlichen Zipfel von Schweden bleiben die Äcker in bester Erinnerung, denn bunt gemischt mit den Getreidehalmen wachsen rote Mohnblumen, so daß die Äcker strahlend rot aussahen. 

Als sich das Fährschiff  Trelleborg-Saßnitz dem Hafen am deutschen Ufer näherte, konnten wir Rügen mit den Kreidefelsen sehen. Ich habe dann Kjartan gefragt: "Er det det det er?", wobei er geantwortet hat: "Det er ikkje DDR, men det det var." Leider läßt sich das Wortspiel nicht übersetzten, und für nichtskandinavische Leser bedarf es einer Erklärung. Auf norwegisch habe ich gefragt: "Ist das das, was es ist?" (Det det er), und det det er spricht man genau wie DDR aus. Kjartan hat dann in seiner Antwort die Präsensform er durch die Vergangenheitsform var ersetzt. 

Kurz vor 22 Uhr legte das Schiff an. Der Verkehr wurde an den Kais in einem weiten Bogen in östliche Richtung geleitet, die Radfahrer fuhren zuerst ans Land, und wir waren als Radfahrer nicht allein. Die Pässe wurden kontrolliert, und der Beamte warf nur einen kurzen Blick in unsere Pässe. Anders war es 1971, als ich für eine Radfahrt durch die DDR in Saßnitz ankam. Niemals wurden meine Radtaschen so genau kontrolliert. Der Beamte fand sogar weit unten im Gepäck eine kleine Plastiktüte und wollte wissen, was darin sei. Gerade in dem Moment hatte ich das vergessen, und konnte keine Antwort geben. Der Beamte hatte dann eine sehr traurige Miene, aber es fiel mir gleich ein, was in der Tüte war, nämlich Nähgerät, falls meine Hose einen Riß bekäme. Daraufhin wurde der DDR-Beamte so unoffizierlich und menschlich erleichtert. Ich weiß nicht, was für Kontrabande er vermutet hatte. Daß Radfahrer in Saßnitz in die DDR kamen, war 1971 ganz selten, und vielleicht wußten die Beamten nicht ganz, wo in das Klassenschema Radfahrer hineinpaßten. "Nur jedes fünfte Jahr kommt ein Radfahrer an" , sagten die Volksbeamten.

Bei unserer Fahrt 1996 gab es in Saßnitz auch Anlaß zur Besorgnis. Es war ja 22 Uhr und die Dunkelkeit setzte ein, und wir hatten an unseren Fahrrädern kein Licht. Obwohl wir nicht mehr in der DDR waren, waren wir immerhin in Deutschland, wo Polizisten beim geringsten Bruch gegen Ordnung und Vorschriften einspringen. Von Saßnitz wollten wir den 8 km entfernten Campingplatz bei Nipmerow erreichen. Die Fahrt ging durch Stubbenkammer, wo der dichte Buchenwald die Umgebung fast stockdunkel machte. Die Straße konnten wir ausmachen, aber was nun, wenn ein urdeutscher Polizist kommen würde, und vielleicht würden wir auch den Abstecher zum Campingplatz übersehen, weil wir die Hinweisschilder nicht sehen konnten. Unterwegs kamen wir an einer Gaststätte vorbei, die an einem großen offenen Platz lag. Was könnte das sein? Unser Interesse galt nun dem Campingplatz, und von Passanten hatten wir schon erfahren, daß wir nur ein paar Kilometer weiter zu einem Buswartehäuschen kommen würden, und da ging der Weg zum Campingplatz in den Wald hinein. Unter den großen Buchen auf dem Waldcampingplatz bei Nipmerow konnten wir im Dunkeln einen Platz für unsere zwei kleinen Zelte finden. 

Sonntag 7. Juli
Bevor wir losfuhren, wollten wir frühstücken, Energie für die Fahrt ist wichtig. Wir waren noch nicht mit dem Essen fertig, als wir oben an den Baumkronen merkwürdige Laute vernahmen. Es dauerte also einige Minuten, bis der Regen zu uns herunterdrang. Es hieß dann schnell einpacken und losfahren. Glücklicherweise war es nur ein kleiner Schauer, der auch schnell aufhörte. Schon bevor wir zum Buswartehäuschen zurückkamen, entdeckten wir ein Hinweisschild mit Radsymbol Richtung Stubbenkammer, und gerade dorthin wollten wir ja. Das Schild zeigte eher einen Weg für MTBs  als einen richtigen Radweg für Tourenradler mit Gepäck. An den schwierigsten Stellen mußten wir absteigen und schieben, aber wir kamen vorwärts, und bald standen wir vor der Kasse am Kaiserstuhlfelsen. Genau wie am Nordkap mußten wir unser Eintrittsgeld bezahlen, an und für sich kann man das Eintrittsgeld verstehen, denn das Geld brauchte man wohl, um die Wege mit ihren Geländern und Stufen instand zu halten. Ich hatte den Eindruck, hier muß es gewesen sein, daß Caspar David Friedrich sein berühmtes Bild gemalt hatte. Im Blickfeld störte ein verrosteter DDR-Wachtturm. Unten am Strand erklärte uns eine Tafel, daß der skandinavische Eismantel, dessen südlicher Rand sich gerade hier einige Jahrtausende in der Eiszeit befand, den Kreidefelsen aufgeschüttet habe.

Kreidefelsen auf Rügen


Unsere Radtour ging nicht über den MTB-Track zurück, wir nahmen die Straße, die unerwartet verkehrsruhig war, bis wir auf die Straße kamen, die wir gestern im Dunkeln beradelt hatten. Da an der Kreuzung saß auch einer neben einem Schild mit Einfahrt verboten und hielten alle Autofahrer an, die das Schild nicht befolgten und gleich nach Stubbenkammer abbiegen wollten. Der große Platz, den wir in der vorigen Nacht gemerkt hatten, war, das stellten wir beim Tageslicht fest, ein Parkplatz, wo Autofahrer Richtung Kaiserstuhl in Busse umsteigen mußten. Das finde ich eine gute Idee, anstatt neben dem DDR-Wachtturm einen riesengroßen Parkplatz beim Königsstuhl stören zu lassen, läßt man die Autotouristen in ein platzsparendes Verkehrsmittel einsteigen. So lassen auch die Autofahrer trotz billiger Benzinpreise ein klein wenig mehr Geld zurück. 

Von Nipmerow zu der Landzunge bei Glowe wünschten wir uns noch mehr verkehrsberuhigende Maßnahmen, denn der Verkehr auf dieser schmalen Alleenstraße war unerträglich groß. Unterwegs sah ich ein bäuerliches Haus mit Reetdach, und das Reet war ganz echt, mit Moos bedeckt, nicht so sauber und "fototouristisch" wie die Reetdächer auf Sylt, dazu hatte die Straße an dieser Stelle Kopfstein, alles war also echt nostalgisch. Ich  mußte unbedingt ein Radfahrerbild in so einer Umgebung machen. Ich stellte Kjartan auf, und dann habe ich gewartet, bis kein Auto kam. Hier ist das Bild.

Ländliche Idylle

Über die Landzunge Schaabe blieben wir auf der Hauptstraße, weil wir keinen guten Radweg finden konnten, und im losen Sand neben der Fahrbahn wollten wir nicht fahren. Auf dem Campingplatz bei Juliusruh stellten wir unsere Zelte auf. Es war noch früh, und eine Fahrt zu Kap Arkona stand an. Turid hatte plötzlich keine Lust mitzufahren, und dann zog sich  auch Kjartan zurück. Ich fuhr allein auf einem gut angelegten Betonplattenweg oben an der Steilküste entlang. Der Betonplattenweg schien neu zu sein, und die Platten waren gut zusammengefügt, und es ließ sich gut radeln. Es war eine herrliche Fahrt auf einem autofreien Weg, die Abendluft tat gut und ich hatte einen schönen Blick auf die Tromper Wiek. Das Fischerdorf Putgarten wurde kurz besichtigt, und vom Leuchtturm am Kap Arkona wurde mir eine weite Aussicht über die Ostsee beschert. 

Nach meiner Rückkehr zum Campingplatz war es Zeit für Abendessen. Wir besuchten in Juliusruh eine Gaststätte, wo wir eine Fahrrad- und Nahverkehrskarte für die Insel Rügen fanden. Während das Essen zubereitet wurde, studierten wir die Radkarte. Auf der Karte waren die Radwege und Radrouten der Insel eingezeichnet. Die Radwege waren auch nach Ausbaustandard bezeichnet, so daß Radfahrer vor allzu schlechtem Zustand gewarnt wurden. Richtig gut ausgebaute Radstrecken waren auch vorhanden. 

Montag 8. juli
An diesem Tag ging es Richtung Schaprode. Hinter Altenkirchen kamen wir auf einen Radweg bester Klasse. Mit festem Boden ging es direkt am Wieker Bodden entlang und abseits der Straße für den Motorverkehr. An einigen Stellen waren sogar kleine Rasthütten aufgestellt, wo bei schlechtem Wetter Radfahrer Schutz finden konnten. Der Radweg war auch gut beschildert. Wir verstanden, daß die Fahrradkarte von gestern abend wirklich etwas an sich hatte. Es wärmt einem eifrigen Radler das Herz, wenn die Infrastruktur für Radfahrer so schön zurechtgemacht wird. Es ist durchaus möglich, daß in einigen Jahren Rügen neben Bornholm, Gotland und Åland auch eine beliebte Fahrradinsel der Ostsee wird. 

Der Radweg hörte bei der Wittower Fähre auf. Die Überfahrt war ganz kurz, und für einen Norweger wirkte der Fahrpreis viel zu hoch für so eine kurze Strecke. Früher verkehrte an dieser Stelle eine Eisenbahnfähre für Schmalspurzüge. Dieses sehenswerte Eisenbahnmilieu wollte ich bei meiner DDR-Radtour 1971 aufsuchen, aber ich war unsicher, ob man sich in der DDR immer an die Transitstrecken halten mußte, oder ob man Straßen und Wege der Republik frei beradeln durfte. Deshalb fragte ich auch bei der Einreise in Saßnitz einen Volksbeamten. Er antwortete stur: Wohin wollen Sie?" "Ich möchte den Umweg über Wiek nehmen, um so nach Bergen zu kommen" "Da gibt es nichts zu sehen," war die kurze, abweisende Antwort.

Der Anlaß für meine DDR-Radfahrt geht zurück bis 1968, wo ich in einer englischen Jugendherberge eine Anzeige für individuelle Jugendherbergsreisen in der DDR fand. In den nächsten Jahren wollte ich nicht fahren, weil die abscheuliche Invasion in die CSSR noch so frisch war. 1971 empfand ich, daß die Dinge sich einigermaßen normalisiert hatten, so daß ich meiner Neugierde auf Deutschland hinter dem eisernen Vorhang nachkommen konnte. Durch ein Reisebüro ließ ich die Reise mit festen Übernachtungspunkten in auserwählten Jugendherbergen bestellen.

Am südlichen Ufer der Wittower Fähre ging der Radweg nicht weiter, und auf einer schmalen Straße mit viel Verkehr ging es über Trent nach Schaprode. Am dortigen Campingplatz stellten wir unser Zelt auf, und dann ging es zum Hafen, wo die Fähre nach Hiddensee bald ablegte. Wieder begegneten uns Horrorpreise für die Fährstrecke. Die Fähre fuhr nach dem Dorf Vitte. Herrlich war es auf Hiddensee. Überall waren Leute zu sehen, die sich per Fahrrad bewegten. Wir nahmen die Hauptstraße nordwärts und bogen zum Feuerturm ab. Ich fuhr etwas vorne und nahm einen grasbewachsenen kleinen Weg Richtung Leuchtturm. Da wartete ich auf Turid und Kjartan, aber sie waren nicht mehr zu sehen. Sie hatten einen anderen Weg, an der Küste genommen. Ich fuhr dann zur Kreuzung zurück, wo wir uns zuletzt gesehen hatten und hoffte, daß die anderen das auch so machen würden. Die tauchten aber nicht auf. Schließlich war es mit der Zeit so weit, daß ich zum Fähranleger zurückmußte. Da sah ich die anderen wieder. Wir waren so böse aufeinander. Nein, unsere Radfahrt auf der Fahrradinsel Hiddensee gehört nicht zu unseren besten Erlebnissen. 

Dienstag 9. Juli
Heute wachten wir bei einem schrecklichen Wind auf. Unsere Nachbarn auf dem Campingplatz sagten, ein Tief befinde sich vor der deutschen Ostseeküste, und sogar eine große Regatta bei Rostock sei abgesagt worden. Wir trafen sofort die Entscheidung, in Schaprode zu bleiben. Frühstück hatten wir verkrampft und gemütlich in unserem kleinen Zelt. Der Tag in dem Dorf Schaprode wurde allmählich langweilig, und ich bereute es, daß wir trotz allem nicht einfach weitergefahren waren. Der Wind aus westlicher Richtung hätte für einen günstigen Rückenwind gesorgt. 


Mittwoch 10. Juli
Unsere Fahrt ging nun in östlicher Richtung, wir wollten nach Göhren. Der Wind, obwohl er sich etwas gelegt hatte, gab uns einen vorteilhaften Schub vorwärts, und bald waren wir in Bergen. Es gibt ein bißchen komisches Gefühl, in eine fremde Stadt zu kommen, die genau so heißt, wie die Stadt, wo Turid und ich geboren sind. 1971 fuhr ich auf der Transitstraße direkt von Saßnitz nach Bergen. Am Stadteingang begrüßte mich ein großes Bild von Walter Ulbricht. Weil ich mich so für die Schmalspurbahn zur Wittower Fähre interessierte, fand ich westlich von Bergen das Gleis. Beim Fotografieren eines Zuges war es in der DDR sicherer, weit entfernt vom Bahnhofsbereich mit der Kamera zu hantieren, und so wartete ich am Gleis  - und wartete, bis ich schließlich jemanden nach den Fahrzeiten der Züge fragte. Dann erfuhr ich, daß der Betrieb vor einem Jahr eingestellt war, aber bei Putbus sollte es immer noch schmalspurig dampfen. Einige Probleme mit der Eisenbahn hatten wir auch 1996. Die Straße ins Zentrum von Bergen war bei einer ehemaligen Schranke gesperrt, und wir mußten unsere bepackten Fahrräder über eine steile Treppenbrücke tragen. Auf dem Berg in Bergen steht die Marienkirche. Plätze mit Ausblick oder Plätze, die von Weitem gesehen werden können, beherbergen oft sakrale Einrichtungen, und die Kirche wurde vermutlich auch da errichtet, wo es schon vor dem Christentum heilig war. An der Westwand der Marienkirche ist ein Stein eingemauert, auf dem ein Bild von dem slawischen Gott Swantevit eingehauen ist. 

Am Bergener Marktplatz in einer Konditorei über Kaffee und Kuchen planten wir unsere nächste Etappe nach Putbus. Die ADFC-Karte gab die Straße über Ketelshagen als viel radfreundlicher als die direkte Straße an. Also fuhren wir so, und bei Ketelshagen stießen wir auf eine angenehme Überraschung; das Planum der aufgelassenen Schmalspurbahn Putbus-Altefähr war zu Radweg umgebaut, und der Weg war sogar nach Putbus für Radfahrer beschildert. Der Radweg Ketelshagen-Putbus war auf unserer ADFC-Karte nicht eingetragen. 

In Putbus suchten wir den Schmalspurbahnhof auf. In Putbus war es nun Zeit für die große Fotopositionierung, weil ein Zug bald einfahren sollte. Gerade da, kurz vor dem Putbuser Schmalspurbahnhof hatte ich auch 1971 gestanden und mit etwas Angst Züge fotografiert, denn es sollte angeblich in der DDR nicht erlaubt sein, Eisenbahnen zu fotografieren, und 1971 war noch vor der Zeit, wo devisenbringende Fans aus Westdeutschland die Ostrepublik mit immer noch realwirkenden Dampfloks heimsuchten.

Von Putbus ging es über die Alleenstraße ostwärts, aber die Radfahrt war kein Vergnügen, der Verkehr war groß und die Straße bestand ununterbrochen aus Kopfsteinpflaster schlechtesten Grades. Als wir die Hauptstraße Bergen-Göhren erreichten, wurde der Verkehr ganz unerträglich, und wir wichen auf einen Feldweg Richtung Norden aus. Etwas links vorne, hinter einem Wald, tauchten die Türme des Jagdschlosses Granitz auf. Bald überquerten wir bei dem Haltepunkt Garftitz die Schmalspurbahn, auch liebevoll  Rasender Roland  geannt. Es war Zeit für eine Pause, die zum Warten auf den fotogenen Rasenden Roland benutzt wurde. Ich kletterte sogar auf das Dach des Wartehäuschens, um eine gute Position für eine Fotoaufnahme zu kriegen. Die Weiterfahrt nach Sellin ging auf sandigen Forstwegen, wo immer aufgepaßt werden mußte, den Fuß schnell auf den Boden zu setzen, wenn das Rad im losen Sand ausrutschte. Der Campingplatz in Göhren war übervoll, es gelang uns trotzdem für unsere kleinen Zelte einen kleinen Platz zu ergattern. 

Donnerstag 11. Juli
Der Grund für unseren Abstecher nach Göhren, war, daß wir uns die Schmalspurbahn etwas genauer ansehen wollten. Der Campingplatz war so überfüllt, daß wir keinen Tag mehr da bleiben wollten. Wir hatten auch keine Lust, auf der holprigen und verkehrsbelasteten Straße nach Putbus zurückzufahren. Wir entschieden uns für eine Reise mit dem Rasenden Roland, der auch eigene Wagen für Fahrräder mitführt. Wir frühstückten ganz schnell und packten alles zusammen, aber indem wir den Campingplatz verließen, dampfte der rasende Roland gerade vor uns hinweg. Wir hatten keine Lust, auf den nächsten Zug zu warten, und wir entschieden uns für einen Weg an der Küste Richtung Putbus. Auf unseren Fahrradkarten war der Weg als schlecht zu beradelnder Weg gekennzeichnet. Erst mußten wir an der Mündung des Selliner See mit einem Boot (Personenfähre genannt) übersetzen. Ein Freund von mir, der in der DDR aufgewachsen war, erzählte  mir später, daß ihm zu dieser Fähre besondere Erinnerungen geknüpft seien. In seiner Jugend sei er bei Baabe in einem Ferienlager gewesen, und abends ging er mit Freunden zur Bierschenke Moritzburg jenseits der Mündung des Selliner See. Wenn sie zurückwollten, sei es immer so spät geworden, daß die Fähre nicht mehr verkehrte und sie mußten über das Stück Wasser schwimmen und sich anschließend in das Lager schleichen. 
 


Schlechter Weg. schöne Umgebung




Neuverlegter Betonplattenweg.


Der Küstenweg nach Putbus wurde uns eine echte Qual. Entweder war da loser Sand oder Betonplatten, mit hohen Kanten, weil die Betonplatten sich verschoben hatten. An einigen Stellen war der Weg nur ein schmaler Pfad. Wir hatten genug von dieser via dolorosa, und wir waren glücklich, als wir eine Straße fanden, die uns zurück zu der holprigen Alleenstraße führte, und da, wo wir wieder auf die Alleenstraße kamen, im Dorf Vilmnitz, offenbarte sich auch eine Gaststätte, wo wir essen und ausruhen konnten. Das Leben war wieder schön, und die Entfernung nach Putbus war auch nicht so groß. In Putbus konnten wir auf dem Radweg der alten Schmalspurtrasse unsere Fahrt fortsetzen. Ohne Autoverkehr führte uns der Radweg durch eine ruhige und idyllische Landschaft. Der Sandboden des Radweges war fest und gut zu beradeln. An einigen Stellen waren sogar Picknicktische und -stühle aufgestellt und der Weg war mit Schildern für Radfahrer versehen. Den strapaziösen Weg von heute früh hatten wir vergessen, und wir verstanden, daß Rügen sich langsam zu einem Ferienparadies für Radfahrer entwickelt. Die ehemalige Schmalspurbahn,  ging bis Altefähr, und so weit brachte uns auch der Radweg. Auf dem dortigen Campingplatz, gerade gegenüber von Stralsund  übernachteten wir. 
 

Teil 2. Stralsund-Schwerin

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