Nach Schonen und Bornholm
Radtour durch Skandinavien 2005
 

Terje Melheim
 

Diesen Radbericht schreibe ich auf Deutsch, weil die meisten Tourenradler, die ich unterwegs in Schweden traf, Deutsche waren. Zuerst habe ich den Bericht im Norwegischen geschrieben. Weil ich über 6 Wochen unterwegs war und über 2500 km geradelt bin, ist der norwegische Text sehr lang geworden. Auf Deutsch wird der Text wesentlich kürzer, und ich habe vieles ausgelassen, um so den Bericht leserfreundlicher zu gestalten 

Wenn du dir den langen norwegischen Bericht mit mehr Bildern ansehen möchtest,  kannst du auf die norwegische Flagge klicken:
 
 

Durch Norwegen

2005 ging unsere Radtour bis ganz weit in den Süden von Skandinavien, in die südlichste Provinz Schwedens, nach Schonen. Schonen heißt in den skandinavischen Sprachen Skåne. Auf Latein heißt die Landschaft Scandia, und von diesem Namen stammt das Wort für die ganze Halbinsel, wo Schweden und Norwegen liegen, nämlich Skandinavien. In Schonen bin ich  ich zusammen mit meiner Frau Turid geradelt, aber auf den Transportstrecken nach und von Schonen bin ich allein geradelt.

Wenn man in Westnorwegen wohnt und nach Südskandinavien radelt, fährt man erst in östliche Richtung. Erst ging meine Fahrt an einem Fjord entlang. Am Fjordende wartete ich auf den Bus, der mich von 0 m ü.d.M.  bis über 1000 m ü.d.M. brachte. So habe ich einen ganzen Tag von meinen Ferien gespart. Weiter auf der Straße E 134 ging es meistens bergab. Von Horten nach Moss konnte ich über den Oslofjord übersetzen. Bei Moss wollte ich bei Verwandten übernachten. Als ich bei ihnen auftauchte, waren sie nicht zu Hause. Ich klingelte bei den  Nachbarn und bat sie,  wenn sie im Garten meiner Verwandten ein Zelt sehen sollten, die Polizei nicht anzurufen. 

Die alte Festungsstadt Halden konnte ich auf Nebenstraßen erreichen. Über Halden thront eine alte Festung, die an alte Zeiten mit Feindlichkeiten zwischen Norwegen und Schweden erinnert. Ich wollte nicht derr Hauptstraße E 6 folgen. Meine Fahrt ging über kleinere Straßen weiter östlich, und so blieb ich noch für noch 30 km auf norwegischem Territorium. Südlich von Halden sind die territorialen Positionen so umgekehrt, dass ich, als ich da in Norwegen geradelt bin, im WESTEN schwedisches Territorium hatte. Als die Schweden die Provinz Bohuslän von Norwegen übernahmen, verzichteten sie auf das Gebiet östlich vom Iddefjord. Sie wollten eher eine strategisch sichere Grenze am Iddefjord haben. 
 
 

Die schwedische Westküste entlang.

Schließlich führte mich eine kleine Straße nach Schweden. Die Grenze war mit einem großen blauen Schild markiert. So ein Schild erinnert an die Zeit, als es in Schweden Linksverkehr gab. An kleinen Straßen, die von Norwegen über die Grenze führen, stehen solche Schilder immer links, und darauf steht „Grenze Schweden“. Auf der Rückseite steht „Grenze Norwegen“. Wenn du in der umgehrten Richtung radelst und von Schweden auf norwegisches Territorium kommst, bekommst du das Schild an die rechte Seite der Straße. In Norwegen war immer Rechtsverkehr. 
 
 

An der Grenze zu Schweden stehen die Grenzschilder immer links. Hier befindet sich Schweden westlich von Norwegen.

Auf der Tour hatte ich ein Zelt mit, und nach einer Übernachtung im Wald näherte ich mich dem Ort Tanumshede, wo ich mir in einem großen Lebensmittelgeschäft ein ausgiebiges Frühstück kaufte. Südlich von Tanumshede konnte ich viele vorhistorische Felsenzeichnungen bewundern. Auf flachen Nebenstraßen ging die Fahrt durch Bohuslän. An den Straßen standen kleine Schilder, die die Radroute Cykelspåret Bohuslän angaben. Diese Radroute gehört zum Radwanderweg Nordseeradroute. Es fiel mir ein, dass hier auf diesen Straßen vor drei Jahren der Tourenradler Martin Wittram aus Braunschweig entlanggefahren war. Vor Lysekil folgte ich nicht konsequent den Schildern des Radwanderweges, weil ich Umwegen entgehen wollte. Von Lysekil wurde ich von einem kleinen Schiff nach Fiskebackskil übergesetzt. Vom Schiff hatte ich einen guten Blick auf die Schärenstadt mit der dominierenden Kirche auf den höchsten Felsen. Ich habe das Bild von Martin Wittrams Radbericht kopiert, das er von Lysekil aufnahm, als er hier 2002 radelte.
 
 

Foto: Martin Wittram
Lysekil mit der gigantischen Kirche

Anhand von Fähren und Brücken erreichte ich das Festland bei Stenungsund, und es ging gleich weiter Richtung Göteborg. In Göteborg war das erste Problem, einen Prospekt über die Radroute südlich von Göteborg zu bekommen, denn die Radroute durch Bohuslän, der ich  gefolgt war, war in Göteborg zu Ende. Die Radroute, die an der schwedischen Westküste weitergeht, heißt Ginstleden, und die beginnt erst in der Provinz Halland. Zur Provinz Halland gehört Göteborg nicht, und deshalb konnte ich da keinen Prospekt bekommen. Eine Radkarte für Göteborg konnte ich bekommen, aber weil ich für die eine einzige Radfahrt durch die Stadt 20 Kronen bezahlen musste, verzichtete ich darauf. Göteborg ist eine radfreundliche Stadt. Der Tourenradler Karl Brodowsky, der viele Radtourenberichte aus dem Internet gesammelt hat, hat mir gesagt, wenn man Oslo mit Göteborg in Sachen Radfreundlichkeit vergleiche, sei Göteborg haushoch überlegen. Trotz guter Radwege und guter Beschilderung für Radfahrer musste ich gleich einsehen, dass ich mit so vielen fremden Namen den Weg durch die Stadt nicht finden konnte. Plötzlich sah ich einen anderen wegesuchenden Radfahrer, und der hatte die Radkarte dabei, die ich mir nicht kaufen wollte. Der Radler fuhr ein faltbares Rad mit kleinen Laufrädern. Seine Gangschaltung funktionierte gut, und er konnte eine normale Radgeschwindigkeit halten. Wir kamen ins Gespräch und fuhren nebeneinander weiter. Er habe im Hafen ein Segelboot liegen und sei eigentlich mit dem Segelboot unterwegs. Das Rad könne er zusammengefaltet unter dem Deck haben. Jetzt sei er nach Askim unterwegs, wo er in einem Spezialgeschäft Teile für sein Segelboot kaufen wolle. Ich wusste, dass ich auch Richtung Askim fahren musste, und so konnten wir zusammenfahren, bis plötzlich sich  unsere Wege trennten, denn ein Schild zeigte Richtung Askim und ein anderes Richtung Särö, wohin ich fahren musste. Mein Radweg entpuppte sich bald als ehemalige Eisenbahntrasse, die sehr schön unmittelbar an der Schärenküste entlang führte. 

Als ich die kleine Stadt Kungsbacka erreichte, war ich schon in der nächsten Provinz, in Halland. Erst dachte ich, dass ich auch ohne den Fahrradprospekt gut vorwärtskommen würde. Südlich der Stadt würde ich sowieso auf die beschilderte Radroute kommen. So dumm hatte ich also gedacht. Ich landete überhaupt nicht auf dem Radweg, ganz im Gegenteil fuhr ich ohne Orientierung auf eine Halbinsel, von der keine Straße führt als die, auf der ich gekommen war. Ich musste also nach Kungsbacka zurück radeln, und im Touristenbüro fand ich den begehrten Prospekt. Ginstleden heißt der  Radweg durch Halland.

An der Radroute standen an jeder Straßenkreuzung Schildchen, und jedes Mal, wenn die Radroute einen Umweg bedeutet hätte, fuhr ich einfach geradeaus auf der breiten Hauptstraße, die wenig Verkehr hatte, weil daneben eine Autobahn entlang führte. In Varberg sah ich mir das Schloss an, und an einem Bankautomaten wollte ich mir dann Geld holen. Ich schob die Bankkarte hinein, aber ich empfing nur die Meldung, dass die Card nicht funktioniere. In der Bank konnte man nur trocken feststellen, dass meine Card entmagnetisiert sei. Was sollte ich machen? Da stand ich in einem fremden Land ohne Geld. Natürlich wechselte ich meinen Vorrat an norwegischem Geld um. Gott sei Dank war das Problem nicht zu groß. In fünf Tagen sollte ich mich in Malmö mit Turid, meiner Frau treffen. Ich rief sie an, erklärte ihr das Problem und bat sie Geld von meinem Konto auf ihr Konto zu überführen, und dann würden wir für unsere gemeinsame Radtour in Schonen nur ihre Bankkarte benutzen.

Hinter Halmstad näherte ich mich der Grenze zwischen Halland und Schonen. An einer Nebenstraße an der Radroute Ginstleden übernachtete ich auf dem Feld eines Bauern. Da schlief ich sogar mit Erlaubnis von dem Bauern, und so ließ es sich besser schlafen als im Wald, wo die Brunstrufe der Elchochsen mich immer aufweckten.
 
 

Schonen, erster Teil
 
 

Bevor ich das flache Agrarland von Schonen erreichen konnte, musste ich den langen Berg Hallandsåsen überqueren. Die Geologen nennen so ein Phänomen einen Horst. Durch die weichen Schichtgesteine hat sich ein Stück des uralten Granits empor gepresst. Durch Hallandsåsen wollte vor über zehn Jahren die schwedische Eisenbahngesellschaft einen Tunnel  bohren, aber wegen Wassereinbrüche kamen die Arbeiten zum Erliegen. Heute hat man die Arbeit wieder aufgenommen. An dieser Baustelle radelte ich vorbei. 

Dann kam ich auf das Flachland mit Getreidefeldern und Weideland rings herum. So sollte nach meinen Vorstellungen Schonen aussehen. Das Land erinnert stark an Dänemark, das übrigens nicht so weit entfernt liegt. Bis 1658 hatte sogar Schonen zu Dänemark gehört. Dann versteht man es vielleicht besser, dass Dänemarks Hauptstadt so weit östlich am Rande des Landes liegt. Früher lag Kopenhagen mehr in der Mitte des Landes, bevor Dänemark alle seine Landflächen auf dem skandinavischen Festland an Schweden abtreten musste. 
 

 Unsere Radroute in Schonen. Bitte klicken.

Auf dem Bahnhof in Malmö musste ich viele Stunden warten, bis endlich Turid auftauchte. Sie war zum Flughafen Kastrup geflogen, und von dort nahm sie den Zug über die Öresundbrücke nach Malmö.  Nach einer heftigen Begrüßung war es Zeit, ihr Fahrrad wieder fahrtauglich zu machen. Ich schraubte die Pedale an und pumpte die Räder auf. Dann fanden wir einen Bankautomaten, um schwedisches Geld zu holen. Ja, ihre Bankkarte funktionierte einwandfrei. Keine Probleme, unsere gemeinsame Radtour in Schonen und auf Bornholm konnte beginnen. Ich sagte Turid: „Jetzt bestimmst du, wohin wir fahren, wie schnell wir fahren und wie weit wir fahren. Wir werden eine gemütliche Tour machen“. 

Von dem Campingplatz in Malmö radelten wir am nächsten Tag auf einem markierten Radweg unter der großen Öresundbrücke hinweg. Weiter ging es auf markierten Radwegen. Plötzlich sagte Turid: „Das hier muss eine alte Eisenbahn sein“ Da hatte sie recht. Alte Eisenbahntrassen sind gute Radwege, es ist kein Motorverkehr darauf, die Steigungen sind moderat, und man kann interessante eisenbahnbezogene Beobachtungen machen. Vielleicht entdeckt man einen Bahnhof, eine Bahnsteigkante oder einen alten Signalmast. Wir blieben bis Vellinge auf der radfreundlichen Eisenbahn. Von dort wollten wir der markierten Radroute bis Trelleborg folgen. Jedenfalls war diese Radroute, die über Nebenstraßen führte, auf einer alten Radkarte von 1995 eingezeichnet. Von den Radschildern sahen wir keine Spur, bis ich neben den Richtungsschildern für die Dörfer quadratische weiße Schildchen entdeckte. Das waren die Schilder für die Radroute, die nach zehn Jahren total verblichen waren. Beim genauen Hinschauen konnte ich „Skåneleden“ entziffern. 
 
 

Turid auf einer ehemaligen Bahntrasse. Turid vor einem Schonenhaus mit der Flagge von Schonen.

An den Straßen in Schonen stehen oft Fachwerkhäuser. Solche Häuser gehören zum Landschaftsbild von Schonen. Öfters sind die Häuser leider mit modernen, schlichten  Dächern versehen. Einmal an einem Weg, wohin uns eine markierte Radroute führte, sah ich ein richtiges Schonenhaus mit Strohdach. Es musste natürlich fotografiert werden. Vor dem Haus wehte auf einem Mast die Schonenfahne. Sie ist rot mit einem gelben Kreuz. Am ersten Tag unserer Schonentour wurde die Etappe etwas zu lang, weil wir die Entfernungen zu den Campingplätzen nicht richtig berechnet hatten. Turid sagte dann: „Du hast gesagt, du wolltest mich in Schonen schonen, und heute ist es schon zu weit“.

Östlich von Ystad gibt es kaum markierte Radwege, und wir folgten allgemeinen Straßen, auf denen der Verkehr etwas zu groß war. An den Straßen lagen Äcker, die von vielen Mohrblumen gedeckt waren. Dazwischen standen gelbe Ähren. „Guck“, sagte Turid, „die Äcker sehen wie die Schonenfahne aus.“
 
 

In den Gassen von Simrishamn suchten wir uns von den gemütlichen kleinen Häusern diejenigen aus, vor denen die prächtigsten Blumen standen und diejenigen, die die charakteristischsten Türen aufweisen konnten.
 
 

Häuser in Simrishamn.

 

In Simrishamn wollten wir das staatliche, schwedische Alkoholgeschäft probieren. Im „Systembolaget“ kauften wir uns eine Flasche Weißwein. Am Abend luden wir auf dem Campingplatz einen Radfahrer aus Berlin zu einem Glas Wein ein. Das Gespräch ging natürlich um Radfahren, und diesmal besonders um das Gewicht, denn Franz aus Berlin hatte ein schweres Rad mit viel Gepäck. Turid und ich hatten aus Gewichtsgründen sogar keinen Flaschenöffner mit. Den musste unser Gast aus seinem Gepäck holen. Wir sahen unterwegs in Schonen viele Tourenradler. Die meisten waren Deutsche. Das sahen wir vor allem an den bunten Fahrradtaschen von der Marke Ortlieb. 
 
 
 

Bornholm

Sehr früh am nächsten Morgen verließen wir mit dem Schiff Simrishamn Richtung Bornholm. Das kleine Schiff erinnerte sehr an die Passagierschiffe, die in den 50er und 60er Jahren in den norwegischen Fjord- und Inselgebieten verkehrt sind. An Bord war kein Platz für Autos, aber die Fahrräder konnten wir natürlich mitführen. Am Deck genossen wir den schönen Morgen über der Ostsee. Die Reise war viel angenehmer als die Überfahrt mit den großen Schiffen von Ystad nach Rønne. Allmählich tauchte am Horizont ein Landschatten auf. Es war die Insel Bornholm. Wir landeten im Hafen Allinge. Überall wehten dänische Fahnen. Es war kein Zweifel, dass wir jetzt in Dänemark waren, obwohl Bornholm ein ganz weites Stück von Dänemark Mainland liegt. Gleichzeitig mit dem Verlust von Schonen mussten die Dänen auch Bornholm an die Schweden abgeben, aber Bornholm konnten die  Dänen einige Jahre später zurückbekommen.
 
 

Unsere Radroute auf Bornholm. Bitte klicken, und die Landkarte wird größer.

Von Allinge schlugen wir auf den Radweg Richtung Rønne ein. Meistens waren es Waldwege, die anhand von Schildern als Radweg bezeichnet waren. Etwas erstaunlich war es mit den kurzen, steilen Partien. Solche Steigungen hätte man in Dänemark nicht erwartet, aber die Granitinsel Bornholm ist anders als die typisch dänische Landschaft. Wir kamen an einem Parkplatz vorbei, wo die Touristen angereist waren, um die steile Granitküste bei Jons Kapell zu sehen. Dort war der Radweg so steil, dass auf dem Radweg Treppen angelegt waren. Auf großen Schildern wurde gewarnt. „Treppen voraus“. Glücklicherweise gab es neben den Treppen eine schmale Rampe für die Räder.
 
 

Auch eine dänische Küste.

In Rønne, der Hauptstadt der Insel sahen wir uns das Stadtbild mit den alten gemütlichen Häusern an. Da sahen wir auch ein Restaurant, wo Abendbuffet angeboten wurde. Wir konnten also für eine Geldsumme unbegrenzt viel essen, und das Essen war wirklich schmackhaft. Es gab Suppe, Fisch, mehrere Sorten Fleisch und viele Sorten Gemüse, und zum Dessert Eis, soviel man essen konnte. Das Essen haben wir wirklich genossen, aber ich vielleicht mehr als Turid, denn ich war etwas mehr abgemagert als sie, weil ich länger mit dem Rad unterwegs gewesen war. 
 

Rundkirche in Nyker.

Von Rønne ging die Radfahrt auf einer ehemaligen Eisenbahnlinie nach Nyker. Die Strecke war schön flach ohne Verkehr. In Nyker sahen wir uns die dortige Rundkirche an. Bornholm besitzt viele Rundkirchen, die im Mittelalter nicht nur Gotteshäuser waren sondern auch Verteidigungsanlagen, wo die Einwohner der Gemeinde Schutz vor angreifenden Fremden suchen konnten. In Nyker verschwand Turid in einem Laden einer  Textilkünstlerin. Lange musste ich draußen auf Fahrräder und Gepäck aufpassen, bis endlich Turid wieder erschien. Sie trug dann ein Paket und wirkte sehr geheimnisvoll.

Leider ist die alte Eisenbahnlinie nach Klemensker nicht als Radweg aktiviert, und wir mussten auf der Hauptstraße an den schmalen Straßenrändern radeln. In Klemensker gab es wieder den Radweg. Der Radweg führt an der landschaftlich schönsten Stelle der ehemaligen bornholmischen Eisenbahnen  vorbei. Links neben dem Radweg ragte eine Granitwand empor. Wir sahen auf Bornholm wesentlich mehr Tourenradler als in Schonen. Auf Bornholm waren die meisten  Radler Dänen, die per Fahrrad einen besonderen Teil ihres Landes erkundeten.
 
 
 
 
 

Die ehemalige Eisenbahn bei Kleven
Die Radrouten sind mit solchen Schildern versehen.

Gudhjem an der Nordküste der Insel ist von Touristen sehr überlaufen. Das Städtchen weist viele, kleine, gemütliche Häuser auf, aber wir als Radfahrer fühlten uns nicht so willkommen. Durch das Städtchen führt eine schmale Straße, die als Einbahnstraße ausgelegt ist. Auf der Hauptstraße, die das Städtchen umfährt, geht der große Verkehr in beiden Richtungen. Es wäre viel günstiger, wenn die Radfahrer die Straße durch Gudhjem in beide Richtungen hätten befahren können. Warum sollen die Radfahrer daran leiden, dass die Straße zu schmal für zwei Autos ist? Wenn Bornholm zu Deutschland oder den Niederlanden gehört hätte, wäre die Durchfahrt für Radfahrer in der Gegenrichtung der Autos schon eingeführt worden. Auch waren die steilen Straßen von Gudhjem extra für Radfahrer gesperrt. Obwohl die dänische Verwaltung wohl wissen sollte, wie man mit Fahrrädern umgeht, weiß sie offenbar nichts von steilen Straßen. Turid und ich missachteten die Verbotsschilder gegen Radfahrer und rollten auf unseren Fahrrädern die steilen Straßen problemlos hinunter. 

Nach Nexø radelten wir an einer Windmühle vorbei. Die Meeresbrise brachte die Flügel zum Drehen. Wir fühlten uns ein bisschen wie die Windmühle, als wir unsere Pedale wieder in Schwung setzten. Bald waren wir in Nexø. Die Stadt mit vielen kleinen Häusern wurde am Ende des zweiten Weltkrieges von den Russen zerbombt, weil die deutschen Besetzer die Übergabe verweigerten. Bornholm war sogar ein Jahr lang von den Russen besetzt.

Auf gekennzeichneten Radwegen, zum Teil auf alten Eisenbahntrassen, kamen wir wieder nach Rønne. Jetzt war Waschtag angesagt. Ich musste mir sogar eine neue Unterhose und ein T-Shirt kaufen, weil praktisch alle meine Klamotten in die Waschmaschine mussten. Wir wussten schon, was wir am Abend machen sollten, und für sieben Uhr am Abend bestellten wir einen Tisch in dem Restaurant mit dem Abendbuffet. Als es Zeit war, vom Campingplatz zum Restaurant zu radeln, bemerkte ich, dass Turid einen neuen farbenfrohen Rock anhatte. Das war also das, was sie sich bei der Textilkünstlerin in Nyker gekauft hatte. Jetzt war sie für einen Restaurantbesuch gekleidet. Ich auch war auch gut vorbereitet und hatte während des Tages nichts gegessen, so dass ich dort viel essen konnte.

Rundkirchen sind eine Sehenswürdigkeit auf Bornholm. Noch eine Sehenswürdigkeit sind die Heringräuchereien. Am nächsten Morgen sollte eine Räucherei in Hasle in Betrieb sein, und deshalb radelten wir dorthin. Als wir da ankamen, quoll der Rauch aus dem Schornstein, und drinnen war ein Bornholmer mit dem Räuchern der Fische beschäftigt, während die Touristen zuschauten und Fragen stellten. Das Räuchern der Fische war eine Methode, sie zu konservieren, und wenn sie richtig geräuchert waren, würden sie sechs Tage halten, ohne zu verfaulen. Turid und ich kauften uns auch ein geräuchertes Heringfilet, das wir am Radweg, an der schönen Stelle, wo die Granitwand emporsteigt, zum Mittagessen verzehrten. Diesen Radweg auf der ehemaligen Eisenbahnlinie befuhren wir nämlich zum zweiten mal.
 
 

Auf Waldwegen, die als Radweg gekennzeichnet waren, fuhren wir Richtung Norden. Sogar über zwei Viehgitter mussten wir fahren, denn dort weideten Schafe. So hofft man, dass man die besondere Vegetationsform mit Heidekraut bewahren kann. Die Fahrt ging nach Allinge zurück, und mit demselben Schiff reisten wir nach Simrishamn hinüber. Vom Schiff konnten wir sehen, wie sich hinter uns, über Bornholm,  ein Gewitter aufbaute. Als wir in Simrishamn ankamen, war die Stimmung ganz anders als bei unserem vorigen Besuch in der schwedischen Küstenstadt. Es regnete, es war kalt und ungemütlich. Vor den Restaurants saß keiner draußen, alle waren in die vollen Lokale gedrängt, was wir auch taten, bevor wir zur Übernachtung auf dem Campingplatz radelten.
 
 

Schonen, zweiter Teil 

Am nächsten Morgen hatte der Regen aufgehört, aber es war nicht so schön und warm wie früher auf der Radtour. An der Küste nordwärts von Simrishamn radelten wir erst auf einem Radweg. Da wo der Radweg aufhörte, konnten wir auf eine alte Strasse ausweichen. Wir kamen an einer interessanten Galerie vorbei. Eigentlich gibt es hier in jedem Ort an der Küste von Schonen mehrere Galerien. Die interessante Galerie, die auf unserem Weg auftauchte, ist die von Gunilla Mann. Ihre Bilder sind in einem naivistischen Stil gemalt, und auf ihren Bildern sind immer so viele fröhliche Menschen zu sehen. Ihre Lithographien werden im Internet zum Kauf  angeboten.  Es ist nicht verwunderlich, dass auf den Bildern die Menschen immer so lustig und froh dargestellt werden, denn fast alle Menschen fahren das freundliche Verkehrsmittel Rad. Seht euch zum Beispiel das Bild „Cykelresan“ an.
 

 Unsere Radroute in Schonen. Bitte klicken.

Unsere Weiterfahrt ging zum Teil auf großen Hauptstraßen. Wir fanden das sehr stressig und versuchten kleine Straßen abseits der großen Straßen zu finden. Das ging nicht immer, und der Ferienverkehr war auf den Straßen 9 und 19 besonders groß. Endlich, bei Mellby konnten wir ruhige Wege an der Küste finden, die uns bis Åhus führten. In Åhus hatte Turid einen Verkehrsunfall. Sie wollte sich beeilen, um mich einzuholen, und dabei stieß sie mit einem anderen Radfahrer zusammen. Den Unfall habe ich nicht gesehen, und weil sie nicht mehr hinter mir war, musste ich nach einiger Wartezeit zurückfahren. Sie war dann böse auf mich und meinte ich war an dem Unfall schuld, weil ich so schnell weitergefahren war. Glücklicherweise hatte sie Pflaster in ihrem Gepäck und konnte so die Wunden an den Knien überpflastern. An den folgenden Tagen hatte sie immer Probleme mit diesen Wunden, denn wenn sie ins Zelt kroch, gingen die Wunden immer wieder auf.

20 Kilometer von Åhus entfernt liegt die Stadt Kristianstad, und dorthin konnten wir auf Radwegen fahren. Kristianstad wird eine dänische Stadt genannt, und sie wurde einst  von dem dänischen König Christian dem 4. als Festungsstadt gegründet. Die Festung wurde als Schutz vor den Schweden errichtet. Das Ironische ist, dass die Dänen den Schweden die Stadt zusammen mit ganz Schonen überlassen mussten, und die Schweden betrieben die Stadt als Festungsstadt weiter. Auf den engen Flächen hinter den Mauern der Stadt ließ Christian der 4. eine riesengroße Kirche in Renaissancestil errichten. Die Kirche ist immer noch der größte Renaissancebau in Skandinavien.
 
 

Die große Renaissancekirche in Kristianstad

Kristianstad war auch der Wendepunkt für unsere Radtour. Von dort radelten wir nach Malmö zurück. Auf der Trasse einer ehemaligen Bahnlinie ging es ruhig, flach und verkehrsberuhigt  Richtung Südwesten. Weil wir uns nicht mehr an der Küste hielten, mussten wir über einen Berg fahren. Es war wieder ein Horst-Phänomen. Die Steigungen bewältigten wir gut. 

Auf der Strecke von St. Olof nach Tomelilla entdeckten wir Hinweisschilder auf eine Radroute. Unsere Fahrt Richtung Tomelilla erfolgte so auf Nebenstraßen, die zum Teil unbefestigt waren. Schlimmer als die Straßenoberfläche war der starke Gegenwind. Über die flache Landschaft wehte ein heftiger Westwind, der uns das Vorwärtskommen erschwerte. Einmal waren die Windböen so stark, dass Turid absteigen musste.  In Tomelilla angekommen sahen wir auf der Landkarte, wo wir eigentlich geradelt waren, und wir mussten feststellen, dass die Radroute uns einen erheblichen Umweg beschert hatte. 
 
 

Das symmetrische Övedskloster.

Wir hielten uns zu kleinen Nebenstraßen, und wir suchten Sehenswürdigkeiten in der Form von Schlössern und Klöstern auf. Den Schlössern Snogeholm und Sövdeborg statteten wir einen Besuch ab, sowie den Klöstern Övedskloster und Bosjökloster. In Bosjökloster wurde ein ziemlich hohes Eintrittsgeld verlangt. Auf der Eintrittskarte konnten wir lesen, dass es nicht nur Eintrittsgeld für einen einmaligen Besuch war, es war sogar ein Jahresabonnement mit unbegrenzten Eintritten für das ganze Jahr. Als wir weiterfahren wollten, wies die Frau, die uns so viel Geld abverlangt hatte, darauf hin, dass wir durch den Klosterpark radeln konnten, um so leichter auf die Verkehrsstraße zu gelangen. Erst wurde ich unsicher, denn wenn der Klosterpark einen anderen Ausgang hat, muss das bedeuten, dass die Leute da in das Kloster kommen können,  ohne den hohen Eintrittspreis zu bezahlen. Nach guten Ratschlägen fuhren wir durch den Klosterpark, und beim Ausgang war ein sehr grob gerastertes Viehgitter angebracht, und daneben stand ein Schild: „Vorsicht – Schießen“. So wollten also die Klosterbesitzer die Besucher zur Kasse am Haupteingang lenken.

Von Bosjökloster ging die Fahrt Richtung Südwesten, gerade gegen den starken Wind. In der flachen Landschaft folgten wir keiner Radroute, und über kleine Straßen setzten wir unsere eigene Radroute zusammen. Als wir uns der Stadt Lund näherten, nahmen wir die Hauptstraße. Die breite Straße mit Radweg war fast ohne Autoverkehr, denn die parallelführende Autobahn hatte den Autoverkehr aufgenommen. Die Hauptstraße wand sich nicht wie die kleinen Straßen windgeschützt durch die Flusstäler. Nein, die Hauptstraße ging geradeaus über die Hügel hinweg, wo wir gegen den Wind um das Vorwärtskommen kämpfen mussten.
 
 

Auf der ganzen Fahrt wohnten wir im Zelt

 
Der Dom zu Lund, der Stadt der Radfahrer.

Die Stadt Lund ist eine sehr fahrradfreundliche Stadt. Im Zentrum ist der Autoverkehr sehr begrenzt, aber Radfahrer gibt es überall. Als wir ins Zentrum fuhren, fanden wir auf den gekennzeichneten Radwegen den Weg ganz problemlos. Den großen Dom sahen wir uns auch an. Dieser Dom war einst der Erzbischofsdom für ganz Skandinavien. Auf guten Radwegen aber im starken Gegenwind kamen wir schließlich nach Malmö, welches das Endziel für unsere gemeinsame Radtour war. Am Malmöer Hauptbahnhof hatten wir uns vor drei Wochen getroffen und da würden wir uns auch für eine Woche trennen. Erst sahen wir uns gemeinsam die Stadt Malmö an. Alle Skandinavier kennen Kopenhagen, aber nicht so viele haben Malmö besucht. Malmö hat auch vieles zu bieten. Am Lillatorget (kleiner Markt) gibt es viele gemütliche, kleine Läden, und die Gebäude zeigen sogar heute noch ihr Fachwerkmuster. Monumentaler wirkt Stortorget. (Großer Markt)  Hier liegt das große Rathaus im Renaissancestil. 
 
 

Turid auf dem Stortorget in Malmö

 

Durch Västgötaland

Als Turid mit dem Zug zum Flughafen Kastrup abgefahren war, war es Zeit für meine Alleinfahrt auf dem Fahrrad nach Hause. Ich hatte auch Lust, ein Stück mit der Eisenbahn zu fahren. Das Problem ist, dass die Züge in Schweden grundsätzlich keine Fahrräder mitnehmen. (So war es jedenfalls 2005.) Inzwischen hatte ich erfahren, dass die Lokalzüge in Schonen problemlos Fahrräder mitnehmen, aber für das Fahrrad musste eine Fahrkarte zum halben Preis gekauft werden. Mit dem Fahrrad stieg ich in einen Lokalzug ein und reiste bis nach Bråstad, dem letzten Bahnhof in Schonen. Für die 100 km lange Strecke bezahlte ich ebensoviel wie Turid auf der kurzen Strecke über die Öresundbrücke bezahlt hatte. 

Von Båstad radelte ich weiter Richtung Norden, zum Teil auf denselben Strecken wie auf dem Hinweg. Nördlich von Varberg bog ich östlich ins Landesinnere ab. Allmählich konnte ich den Richtungsschildern nach Allingsås folgen. 10 Kilometer nördlich von Allingsås befindet sich eine sehr interessante Museumseisenbahn. Anten-Gräfsnäs Järnväg ist ein Teil eines ehemalig umfassenden Schmalspurnetzes mit der ungewöhnlichen Spurweite von 891 mm. Diese Spurweite war die schwedische Standardspurweite und entspricht drei schwedischen Fuß. Die Agrarlandschaft zwischen den Seen Vänern und Vättern war von vielen Schmalspurbahnen erschlossen, und die Hauptsrecke dieses Netzes führte sogar bis nach Göteborg. Rund 1970 wurde die Strecke nach Göteborg eingestellt, aber die Railfans konnten die 12 Kilometer lange Teilstrecke zwischen Anten und Gräfsnäs übernehmen. Seit Anfang der 70er Jahre werden im Sommer auf dieser Strecke regelmäßig Dampffahrten durchgeführt. Ich war von den Tätigkeiten des Eisenbahnvereins  so begeistert, dass ich mich dem Verein als Mitglied anschloss. In der Nacht durfte ich auf dem Bahnhofsgelände zelten. Am Abend führten mich zwei Angehörige des Vereins durch die Bahnhofs- und Remiseanlagen, wo ich allerlei Schmalspurfahrzeuge besichtigen durfte. Vor einem Kleinod, einem neurenovierten Motortriebwagen habe ich die beiden Angehörigen des Eisenbahnvereins fotografiert.
 

Am nächsten Morgen stieg ich in den Museumszug ein. Vorne schnaufte eine Dampflok, die eine Vielzahl von unterschiedlichen Personenwagen zog. Da die Spurweite 891 mm in ganz Schweden verbreitet war, konnten Wagen von allerlei Eisenbahngesellschaften erworben werden. 
 

Zug bei der Rückfahrt vom Bahnhof Gräfsnäs. Die Lok auf der Drehscheibe im Bahnhof Gräfsnäs.

 
 

In Gräfsnäs verließ ich den Zug und bestieg wieder das Fahrrad. Der Wind blies aus östlicher Richtung, und es ging ganz schnell in das 50 km entfernte Vänersborg. Da wollte ich in ein Restaurant gehen, gut essen und dann eine Stelle im Wald für das Zelt suchen. So ging es nicht, denn als ich aus dem Restaurant kam, regnete, goss und schüttete es ganz entsetzlich. Es blieb mir nichts anderes übrig als den Campingplatz aufzusuchen. Allein in einem Zelt zu wohnen kann in Schweden ganz teuer werden, denn man bezahlt einen Pauschalpreis pro Zelt, egal wie viele Personen darin übernachten. Die Übernachtung auf dem teuren Campingplatz bei Vänersborg habe ich nicht bereut, denn da traf ich ein radfahrendes Pärchen, mit dem ich mich viel unterhielt. Mit Irmela und Ulrik  konnte ich viele Fahrraderlebnisse und Radlererfahrungen austauschen. Sie waren ja sogar auch auf Island Rad gefahren. Von ihnen lernte ich, wie man gewichtssparenden Proviant für lange Strecken ohne Lebensmittelläden einpackt. Das war also eine gute Erfahrung aus ihrer Radtour auf Island.

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Nordwesten, ich radelte durch weite Waldgebiete mit vereinzelten Gehöften. Da fiel es mir auf, dass es Sonntag war, und mein Vorrat an Esswaren etwas knapp war. Ich führte auch keinen gewichtssparenden Reserveproviant mit. Ich steuerte dem Ort Ed zu, wo ich größere Lebensmittelläden finden würde. In Ed gab es norwegische Zeitungen zu kaufen, und an jeder Straßenecke hörte man verschiedene norwegische Dialekte. Aus Norwegen kommen viele Leute, die in den grenznahen schwedischen Orten einkaufen wollen, weil das Preisniveau in Schweden niedriger ist. In Ed unterhielt ich mich mit einer  Frau, die sagte, als sie verstand, dass ich Norweger war, dass  in ihrer Nachbarschaft in Ed viele Norweger wohnen. Es seien Norweger, die nach Schweden umgezogen seien, weil dort Wohnungen und andere Leistungen billiger seien. Sie pendeln dann auf Wochenbasis nach Norwegen, wo sie ihre Arbeit haben. Meine Radtour ging weiter, und an dem Grenzsee zeltete ich am schwedischen Ufer. 

Tourenradler  sind eine vielseitige Menschengruppe. Als ich am nächsten Tag in der norwegischen Stadt Halden eine kleine Mahlzeit hatte, entdeckte ich vor mir auf der Straße einen schwer bepackten Radfahrer, und das Besondere war, dass neben ihm ein kleiner Hund entlang trippelte. Dann kam auch seine Rad fahrende Frau. Neben ihr lief auch ein kleiner Hund. So kann man sich also einrichten. Wenn man Aktivurlaub auf dem Fahrrad machen will, ist es auch möglich, die vierbeinigen Freunde mitzubringen, die auch Aktivurlaub machen können.

Von Halden reiste ich mit dem Zug nach Bergen. Wenn man weiß, wann man die Bahnfahrt machen wird, kann man auf http://www.nsb.no die Fahrkarten billig erwerben. Die Fahrkarte für das Fahrrad muss aber in einem Bahnhof gekauft werden, besser funktioniert es nicht. Als ich vor der Radtour das Radticket kaufen wollte, bekam ich Schwierigkeiten. Obwohl die Fahrpläne angaben, dass auf der Bergenbahn sämtliche Züge Fahrräder mitführen, war das nicht mehr der Fall. Fahrräder konnten nur in dem so genannten „Fahrradzug“ mitgenommen werden. Dieser Zug wird im Sommer eingesetzt, weil so viele Radfahrer auf Rallarvegen  von Haugastøl nach Flåm fahren wollen. Da diese Radfahrt an der Bergenbahn so populär ist, nützen die NSB die Gelegenheit, mehr Einkommen von den Radfahrern zu bekommen, denn die Tarife für mitgeführte Fahrräder sind auf der Bergenbahn extra hoch. Mein Problem mit dem Fahrradzug war, dass dieser Zug so früh von Oslo abfährt, dass es keine Anschlüsse von Halden gibt. Es wurde dann so gemacht, dass man mir ein Fahrradticket für den Fahrradzug verkaufte. Auf der Rückseite des Tickets wurde das Personal eines späteren Zuges aufgefordert, das Fahrrad doch mitzunehmen, und dazu wurde noch ein Stempel gesetzt. Als ich von Halden abfuhr, war ich etwas nervös, dass es mit dem Transport des Fahrrads nicht klappen würde, weil man das Fahrrad entweder in dem Zug Halden-Oslo oder in dem Zug Oslo-Bergen abweisen würde. Glücklicherweise ging alles gut, und in Bergen konnte ich die erlebnisvolle Radtour 2005 nach Schonen und Bornholm beenden. Zu Hause traf ich Turid wieder. 
 
 
 
 

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